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Über die Jahre entwickelt man als Begleiter und Trainer wohl seinen eigenen Stil und seine eigenen Glaubenssätze über seine Tätigkeit.

Die Selbsteinschätzung meiner Prinzipien (Stand Okt14):

  • Ich bin loyal zum System
    Dass das System weiter lebt, lebendig ist, sich "gesund" weiter entwickeln kann 
    das bedeutet; keine "blinde" Loyalität zur auftraggebenden Person, aber auch keine pseudo-neutrale Position "zwischen" Führungskraft und Team o.Ä.
  • Die Auftragsklärung ist die halbe Miete
    Es bewährt sich in die Präzisierung des Auftrags Zeit zu investieren und hier nötigenfalls bei Schräglagen auch zu konfrontieren ... Worum geht es eigentlich? Hat der vorgeschlagene Weg eine Chance auf Erfolg? Gibt es noch bessere? Worauf gilt es aufzupassen? ... Die meisten Auftragsklärungen bekommen den Charakter eines Coachings, und ich bin damit in zwei Rollen, die ich versuche sauber handzuhaben: Einerseits coache ich den/die KundIn in der Formulierung eines Auftrags, andererseits nehme ich einen Auftrag entgegen, den ich dann nach bestem Wissen und Gewissen umsetze ...
  • Ich mische mich ein, wenn nötig
    Die zur Verfügung stehenden Zeiten werden immer geringer und Geduld ist Mangelware. Während mir der Erhalt bzw. die Erlangung der Selbstwirksamkeit des Kundensystems ein hohes Anliegen ist, halte ich nichts mehr von stundenlangen "Prozessen", weil die Gruppe ja selbst alle nötigen Ressourcen hat ... Wenn ich das für richtig halte, biete ich dem/r KundIn Modelle / Wege etc, an, die das aufgreifen, was von der/die KundIn schon eingebracht hat. Ich bemühe mich dabei, diese Dinge "schwebend" anzubieten ... wenn rasch ein Aufgreifen passiert, wunderbar ... wenn mein Angebot nicht intuitiv anschlussfähig ist, dann rasch weg damit ... besser zuhören und begleiten ...
  • Ich bin für jedes System ein anderer 
    Jedes System bietet mit bewusst oder unbewusst einen Platz an, als reiner Moderator, als Berater, als lieber Märchenonkel, als WauWau, als ... Ich bemühe mich zu verstehen, was hinter diesem Platzangebot steht und übernehme diesen Platz, wenn ich hier um Sinne des Systems wirken kann. Wenn ich befürchte, dass ich an diesem angebotenen Platz wenig hilfreich bin, suche ich behutsam eine bessere Position. Es definiert also das System und seine Bedürfnisse meine richtige Rolle - und möglichst nicht meine eigene Grunddisposition: Persönlichkeit, Ausbildungen, Ideologien.
    Das kann in unterschiedlichen Systemen zu sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen führen: Hier kameradschaftlich, dort konfrontativ, in einem anderen System intellektuell, wieder woanders auf "weise" ... und alles - so hoffe ich - authentisch/glaubwürdig.
  • Ich lasse mir meine Leistung abgelten - doch letztlich ist sie Dienst
    Wissend, dass ich mich auf dünnes Eis begebe: Natürlich arbeite ich unternehmerisch: Denke in Märkten / Zielgruppen / Business Models / Marken etc, verlange eine Stundensatz, der für viele Kunden anspruchsvoll ist und der mit der Brille der Kapitalismuskritik natürlich unverschämt ist: Wie kann die Stunde des einen mehr als zehnmal so viel wert sein wie die eines anderen? Ich nehme dieses Geld ohne schlechtes Gewissen, um meine Familie zu unterstützen und um Mitarbeiterinnen zu bezahlen: das ist Teil meiner Verantwortung, die ich eingegangen bin.
    Gleichzeitig ist meine Tätigkeit Teil eines "Dienstes" am Größeren Ganzen: abgeltbar, aber "unbezahlbar"

 

Auf Basis der Literatur über "Heuristiken" - interne "Daumenregeln", nach denen man handelt, habe ich versucht, meine Heuristiken (insbesondere für Auftragsgespräche und Einzelcoachings) zu formulieren:

Meine Begleitungs-Heuristiken (Stand Nov15)

  • Lass die Kunden einmal reden - störe nicht durch gezielte Fragen
  • Schreib mit
  • Höre auf System-Beschreibungen, Hypothesen, Metaphern, zeitliche Abfolgen, Beschreibungen von Kausalitäten und Finalitäten (A weil B; wenn B, dann A)
  • wenn der 1. Schwung vorbei ist: Frage gezielt nach - noch ohne anzudeuten, worauf du abzielst - vermeide frühzeitige Lenkung
  • Visualisiere die innere Landkarte des Kunden und kopple zurück: Habe ich richtig verstanden? korrigieren bis es passt; verwende großzügig neue Blätter - keine Kompromisse bei unpassenden Darstellungen; lass den Kunden auch selbst zeichnen, wenn es ihn "juckt" oder wenn du die Hypothese hast, dass er "ein Durcheinander" in der Konzeption hat
  • formuliere für dich Hypothesen über das Denken, das Probleme begünstigt hat
  • formuliere für dich Hypothesen über jene Bereiche davon, die sinnvoll ansprechbar sind
  •  wenn "nichts mehr kommt": gib Input - dargestellt als Hypothesen - zu diesen Bereichen und achte dabei auf Reaktionen aller Art - unterbrich dich selbst mitten im Satz - sei offen für Korrektur;
  • versuche dabei den Eindruck zu vermitteln: wir machen uns gemeinsam auf die Suche - und nicht: ich komme Ihnen drauf ...
  • registriere "Widerstand" und bleib nur nur wirklich "drauf", wenn es objektiv für das "Überleben" der Organisation nötig ist; ansonsten Widerstände respektieren und andere Wege finden

 

Prinzipien bzgl. Unvereinbarkeiten (Ergänzung September 2016)

In einigen Bereichen (derzeit Kinder- und Jugendhilfe Steiermark, katholische Kirche Steiermark, Behindertenhilfe Steiermark) bin ich derzeit wohl einer der Begleiter mit verhältnismäßig viel Systemeinblick. Es bleibt nicht aus, dass ich mit Kunden arbeite, die teilweise andere Interessen haben als andere Kunden von mir. Ich bemühe mich, "sauber" mit diesen Situationen umzugehen:

  • Ich bin transparent, wer noch meine Auftraggeber sind.
  • Ich spiele in Systeme Informationen ein, die eigentlich öffentlich sind, aber im aktuellen Kundensystem nicht bekannt sind.
  • Ich "vergesse" vertrauliche Informationen.
  • Ich unterstütze nicht konkurrierende Auftraggeber, die zum gleichen Thema gegeneinander arbeiten (z.B. Ausschreibung).
  • Wenn es zu Zweifelsfragen kommt (ist das unvereinbar?), lege ich die Aufträge beiden Auftraggebern offen. Wenn auch nur einer eine Unvereinbarkeit sieht, bleibe ich bei jenem Auftrag, der schon länger besteht und sage dem anderen ab.

Mir ist bewusst, dass ich mit der Frage der vertraulichen Informationen und der Frage der Unvereinbarkeit auf dünnem Eis unterwegs bin. Wenn hier Fehler meinerseits auftreten, bitte ich um Verzeihung und um direktes kritisches Feedback!

 

Du / Sie (Ergänzung November 2016)

Ich habe bemerkt, dass ich mir manchmal schwer tue mit der Klärung der Anrede (Du/Sie), mit einzelnen KundInnen und vor allem mit Gruppen. 
Mittlerweile habe ich nachgelesen: Es bietet das Du an: Der/die Ältere dem/der Jüngeren, die Frau dem Mann, der/die Ranghöhere dem/der Rangniedrigeren.
Das bedeutet für mich: Ich kann keiner Frau und keinem Kunden (ranghöher, oder?) das Du anbieten. Entsprechend: Bitte mir das Du anbieten, wenn es passt.
Es kann natürlich sein, dass es mir herausrutscht (wenn es passt) - vielleicht greifen Sie das auf ... Und für so manche Beziehung ist das Sie einfach klarer.

Freue mich über Rückfragen und auch kritische Rückmeldungen.